Uwe Knop: Hunger und Lust

Uwe Knop: Hunger & Lust - Stefanie Kretschmar
Uwe Knop: Hunger & Lust - Stefanie Kretschmar
Noch ein Buch darüber, wie man am besten abnimmt? Ja und Nein. Dieses Buch wird Sie lehren, Ihren Körper zu lieben, wie er ist. Ihnen bleibt (fast) nichts anderes übrig!

Sachbücher können langweilen. Dieses hingegen steigert sich kontinuierlich, weil der Autor Uwe Knop – vermutlich unabsichtlich – den Ton gängiger Abnehmbücher einschlägt, sobald er über die Kulinarische Körperintelligenz spricht: Als wäre es eine neue Diät, die es zu propagieren gilt. Doch ein wenig Propaganda kann dem, was Knop zu sagen hat, wirklich nicht schaden.

Zu jeder Studie gibt es eine Gegenstudie!

Denn auch wenn die eigentliche Aussage des Buches – die über die Kulinarische Körperintelligenz – nur die letzten 15 Seiten des Buches ausmacht – sind seine Steilvorlagen höchst spannend und interessant. Jagte nicht die vergangenen vierzig Jahre lang eine Ernährungsregel die andere? Autor Uwe Knop macht sich die Mühe und widerlegt sie alle. Für jede Studie hat er eine Gegenstudie. Beispiele gefällig? Hier sind Obst und Gemüse gesund und wahre Wundermittel gegen Krebs – dort hingegen steht der Fruchtzucker unter Verdacht, schneller dick zu machen als jeder andere Zucker. Olivenöl, so will es die Kreta-Diät, ist gesund und hält schlank. Knop stellt dagegen, „dass 75 Prozent der so mediterran und gesund lebenden Griechen laut Welternährungsorganisation FAO übergewichtig sind. Und Kretas Kinder sind Europas dickster Nachwuchs – gefolgt von den sizilianischen Bambini.“

So geht es kapitellang munter weiter, denn drei Jahre lang hat Knop sowohl die allgemeine Ernährungskommunikation als auch über 150 neue wissenschaftliche Studienergebnisse kritisch analysiert. Sein Fazit: „Vergessen Sie alles, was Sie über gesunde Ernährung zu wissen glauben. Es existieren keine gesicherten Beweise für die gängigen Ernährungsregeln.“ Eine Ausnahme aber gibt es, laut Knop: Die Rein-Raus-Regel. Was kalorientechnisch rein geht, muss energietechnisch wieder abgearbeitet werden, alles andere macht dick. Basta.

Die fitten Fidger oder Kleinvieh macht auch Mist

Zum Trost wartet er mit Informationen auf, die bislang selbst Diätexperten unbekannt waren. Oder wussten Sie schon, dass Menschen, die sich oft nervös das Haar aus dem Gesicht streichen, beim Telefonieren herumlaufen oder mit den Beinen wippen, rund 350 Extrakalorien täglich verbrauchen? Diese vielen kleinen, meist unbewussten Körperbewegungen werden unter dem Begriff „Fidgeting“ zusammengefasst. Zu dumm, dass Übergewichtige meist sehr wenig „fidgen“, Schlanke hingegen viel.

Vielleicht ein Trost, wenn die Hose kneift: Die genetische Veranlagung spielt dabei „eine ganz entscheidende Rolle“. Knop hat tiefes Verständnis für TV Richterin Barbara Salesch, die in einem Interview zugab, „sie habe einen Butter-Sahne-Geschmack, der ihre Lust auf hochkalorisches Essen bedinge.“ Salesch, so Knop, stecke in einer „genetischen Zwickmühle“. Solange sie esse, was ihre Gene ihr befehlen, sei sie gemessen am aktuellen gesellschaftlichen Maßstab zu dick. Um schlank zu werden müsse sie ihr ganzes Leben lang Diät halten.

Ein Schnupfenvirus, der dick macht

Auch andere, völlig unbekannte Dinge können dick machen. Oder wussten Sie schon, dass es einen Schnupfenvirus gibt, der Fettzellen reifen lässt? Der so genannte Adenovirus 36 aktiviere Studien zufolge „im Fettgewebe des Körpers ruhende Stammzellen, sodass diese sich in Fett umwandeln, die gefüllt werden wollen. Bezeichnenderweise lautet die Abkürzung dieses Virus „AD 36“ - Ade Konfektionsgröße 36? Ist Dicksein vielleicht sogar ansteckend?“

Bei all diesen Hindernissen zur Idealfigur empfiehlt der Autor seinen Lesern: „Vergessen Sie alles über gesunde Ernährung. Essen Sie nur dann, wenn Sie echten Hunger haben, und zwar nur das, worauf Sie Lust verspüren und was Ihnen gut schmeckt.“ Unser Körper wisse genau, was ihm fehlt und hole es sich über das Essen, auf das er Appetit habe – richtigen Appetit. Und wie sich der vom falschen Appetit unterscheidet, erklärt Knop auch.

Hunger und Lust – das erste Buch zur Kulinarischen Körperintelligenz

Dieser in Eigenregie veröffentlichte Ratgeber ist das erste Sachbuch, das mit dem BoD AutorenAward ausgezeichnet wurde. Dieser Preis wurde am 20. März 2010 auf der Leipziger Buchmesse vergeben. In ihrer Begründung hob die Jury vor allem die nachvollziehbare Argumentation hervor sowie die unterhaltsame und zugleich informative Art und Weise, auf die der Autor einen guten Überblick über das vielseitige Thema „Essen ohne künstliche Reglementierung“ vermittle. Knops Botschaft komme „einer willkommenen Befreiung von beizeiten allzu rigiden Ernährungsratgebern“ gleich. Dieser Ansicht kann sich die Rezensentin nur anschließen.

Sympathischer Abschluss: Das Preisgeld von leider nur 500 Euro hat der so gelobte Knop an „Die Arche“ gespendet. Dieser gemeinnützige Verein kümmert sich darum, dass bedürftige Kinder in Deutschland täglich etwas Ordentliches zu essen bekommen.

Uwe Knop: Hunger & Lust – Das erste Buch zur Kulinarischen Körperintelligenz. Books on Demand, Paperback, 156 Seiten, € 13,80.

Brigitte van Hattem, www.starphotografie.de

Brigitte van Hattem - Mein Name ist Brigitte van Hattem. Ich bin Medizinjournalistin, Fernsehredakteurin, Autorin und Texterin und betreibe ein medizinisches ...

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