
- Buchcover Wer nichts weiß, muss alles glauben - Ecowin Verlag
Alles begann, als sich der Universitäts-Professor Heinz Oberhummer (Theoretische Physik, Technische Universität Wien), der Universitäts-Lektor Werner Gruber (Experimentalphysik an der Wiener Universität) und der Studienabbrecher Martin Puntigam im Rahmen eines Filmprojekts kennenlernten. Sie wurden zusammen die Science Busters und hatten am 7. November 2007 im Wiener Rabenhof Theater ihre Premiere. „Im Weltall gibt es keine Bohnen – warum der Mensch zum Mond will und wie“. Seit dieser Zeit haben sie insgesamt 27 Programme erstellt und ein Ende ist nicht abzusehen. Die Science Busters haben eine regelmäßige Radiokolumne auf FM 4, eine Show für Kids und sie touren durch Österreich, Liechtenstein und Deutschland. „Die Schweiz braucht gar nicht so zu schauen, sie kommt auch noch dran“ - so Martin Puntigam im neuesten Machwerk der Science Busters, ihrem ersten Buch.
Wer nichts weiß, muss alles glauben
240 Seiten ist das Buch dick, dass die zwei Naturwissenschaftler mit ihrem Moderator zum 1. September 2010 vorgelegt haben. In ihm erklären sie Wissenschaft für alle – farbenfroh, wenn auch nicht immer alltagstauglich. Denn ob man einen Tsunami surfen kann oder ob ein Außerirdischer automatisch stärker ist als man selbst, ist sicherlich nur theoretisch hochinteressant. Aber ob Erdbeerjogurths aus Sägespänen hergestellt wird, verdient einer ausführlicheren Betrachtung.
Weil Topwissenschaft und Humor keine Feinde sein müssen, sind die einzelnen Kapitel auch etwas unorthodox geschrieben. Wobei man das Rabenschwarze im österreichischen Humor mögen muss, um Gefallen an diesem Buch zu finden. Aber wer weiland „Kottan ermittelt“ mochte, wird auch Spaß an Schwarzen Löchern und der Tatsache haben, dass Gebete tödlich sein können.
Wissenschaft für alle – Interesse vorausgesetzt
Für eine Boygroup sind die drei Österreicher nicht wirklich sexy – das beweisen sie regelmäßig auf ihren Tourabenden. Ein über den Bierbauch gezerrtes neonfarbenes T-Shirt (Puntigam) reicht einfach nicht aus, um Frauenherzen höher schlagen zu lassen. Doch im Buch macht das nichts aus. Von ein paar Passfotos im Buch und dem Coverfoto einmal abgesehen, trübt nichts den ungeschminkten Genuss moderner Physik. Was also haben Wachkoma und ein Orgasmus gemeinsam? Wo kann man in einem Paralleluniversum am billigsten Urlaub machen? Wie bastle ich mir ein Schwarzes Loch? Und warum ist die Pest schuld am iPhone? All diese Fragen werden im Buch ausführlich und kompetent beantwortet. Aber auch provokant. Gleich im ersten Kapitel wird die Studie ausgeschlachtet, die bewies, dass Gebete Komplikationen bei denen, für die gebetet wurde, verschlimmerten. Denn was gibt es schließlich länger als den Krieg zwischen den Wissenschaftlern, die beweisen und denen, die glauben wollen?
Alles in allem liefert dieses Buch kapitelweise Gute-Nacht-Geschichten für alle, die gerne „aha“ denken und denen es nichts ausmacht, wenn sie am nächsten Morgen alles wieder vergessen haben.
Gruber, Oberhummer, Puntigam: Wer nichts weiß, muss alles glauben. Ecowin Verlag, 240 Seiten, 21,90 Euro, ISBN 978-3-902404-93-0
